Diplomarbeit "Eine Klassifizierung von Geschäftsmodellen im Internet" – Kommerzielle Datenbanken

Auszug aus der Diplomarbeit „Eine Klassifizierung von Geschäftsmodellen im Internet„.

3.1.2.6 Kommerzielle Datenbanken

Aufgrund der technischen Möglichkeiten des digitalen Mediums Internet eignet sich das Internet idealerweise für Anbieter kommerzieller Datenbanken. Das Geschäftsmodell der kostenpflichtigen Recherche in kommerziellen Datenbanken oder Lexika profitiert dabei von folgenden technischen Eigenschaften des Internet:

• Suchfunktion: Da der Datenbestand digital vorliegt, lassen sich im Internet ausgefeilte Suchalgorithmen entwickeln, die dem Kunden schnelle und qualitativ hochwertige Suchergebnisse liefern. Vor dem Kauf eines Datenbankartikels kann sich der Kunde Abstracts der Artikel anzeigen lassen.

• Ergebnisübermittlung: Die kostenpflichtigen Suchergebnisse lassen sich auf digitalem Weg (z.B. E-Mail oder FTP) zum Kunden übertragen.

• Strukturierung: Das Internet bietet die Möglichkeit, die dargebotenen Informationen aus der Datenbank oder der Lexika in verschiedene Formen zu strukturieren und zu präsentieren, um unterschiedlich Zielgruppen gerecht zu werden, beispielsweise als „Top10“ der beliebtesten Artikel oder einer laufend aktualisierten Liste neu hinzugekommener Artikel.

• Individualisierung: Im Rahmen des One-to-One-Marketings lassen sich kundenorientierte Angebote erstellen. Da sich Kunden kostenpflichtiger Datenbanken zunächst als registrierte Kunden identifizieren müssen, lassen sich individualisierte und auf die jeweiligen Interessengebiete des Kunden abgestimmte Angebote unterbreiten. Ergibt das gespeicherte Kundenprofil beispielsweise, daß der Kunde in der Vergangenheit vorwiegend Artikel aus dem Bereich Steuerrecht abgerufen hat, können ihm beim nächsten Besuch gezielt neu hinzugekommene Artikel oder Dienstleistungen aus dem Fachbereich Steuerrecht oder damit korrespondierenden Themen unterbreitet werden.

Die Finanzierung kommerzieller Datenbanken oder Lexika erfolgt über Transaktionsgebühren, die sich aus monatlichen Abonnement-Grundgebühren oder variablen Gebühren je Einzelverkauf der Information zusammensetzen können. Tabelle 20 zeigt eine Übersicht kommerzieller Datenbanken im Internet sowie dessen Kosten für Endkunden.

Datenbank Internet-Adresse Kosten

Genios http://www.genios.de Monatlich: 9,90 DM

zzgl. zwischen 3,60 DM und 78,00 DM je Recherche

GBI http://www.gbi.de Zwischen 3,00 DM und 42,00 DM je Recherche

Encyclopedia Britannica http://www.eb.com Monatlich: 5 US-Dollar

Forrester Research http://www.forrester.com Zwischen 50 US-Dollar und 2.500 US-Dollar je Bericht

IDC http://www.idc.com Zwischen 50 US-Dollar und 2.500 US-Dollar je Bericht

DataQuest http://www.dataquest.com Zwischen 50 US-Dollar und 2.500 US-Dollar je Bericht

Orbit http://www.orbit.com Zwischen 40 EUR und 133 EUR je Stunde.

Zzgl. zwischen 0,50 EUR und 16 EUR je Bericht.

Tabelle 20: Kommerzielle Datenbanken im Internet

Da leistungsfähige Suchmaschinen wie Yahoo! oder Fireball kostenlos Recherchemöglichkeiten zur Verfügung stellen, könnten Datenbankanbietern zunehmend die Existenzgrundlage entzogen werden . Hinzu kommen zahlreiche kostenlose Datenbanken, die den Zugriff auf den Datenbestand ohne Zusatzgebühr gewähren. Allerdings mangelt es kostenlosen Datenbanken oftmals an Aktualität, Tauglichkeit und Qualität der Online-Daten . Kostenlose Datenbanken können daher lediglich den Businsess-to-Consumer-Bereich abdecken, der es traditioneller Weise gewohnt ist, Informationen im Internet kostenlos zu erhalten, während kommerzielle Datenbanken im Bereich der professionellen Datenrecherche die Business-Kundschaft abdecken. Tabelle 21 zeigt eine Übersicht kostenloser Datenbanken.

Datenbank Internet-Adresse Beschreibung

Deutsche Gesetze http://www.compuserve.de/bc_recht/gesetze/ Datenbank deutsche Gesetze, beispielsweise Gesetze für Unternehmer und Arbeitnehmer

Duden http://www.duden.de Deutsche Rechtschreibung

Meyers Lexikon http://www.iicm.edu/meyers Online-Abfrage des ‚Meyers Lexikon – Das Wissen A-Z‘ (Ausgabe 1993) mi ca. 44.000 Artikeln und ca. 12.000 vorgegebenen Links .

Telefonauskunft http://www.teleauskunft.de Telefonbuch, Branchenbuch und E-Mail-Verzeichnis für Deutschland

Statistisches Bundesamt http://www.statistik-bund.de Jahresergebnisse aus den Bereichen der amtlichen Statistik sowie Monats- und Quartalsergebnisse aus dem Wirtschaftsleben.

Tabelle 21: Kostenlose Datenbanken im Internet

3.1.2.7 Online-Abonnements

Das Geschäftsmodell kostenpflichtiger Abonnements im Internet, das sich über Abonnement-Gebühren der Leserschaft finanziert, gilt in der Literatur als gescheitert. Als Hauptgrund wird hier die sogenannte „Free-Lunch-Mentalität“ herangezogen. Demnach sind Internet-Nutzer – vor allem aus den Anfängen des Internet – daran gewöhnt, für die Nutzung von Internet-Angeboten nichts zu bezahlen. Die Einführung kostenpflichtiger Internet-Angebote gestaltet sich daher äußerst schwierig.

Einige Anbieter konnten das Scheitern kostenpflichtiger Angebote am eigenen Internet-Angebot miterleben. Das Softwareunternehmen Microsoft versuchte Ende 1997 das Online-Magazin „Slate“ nur noch zahlenden Abonnenten zugänglich zu machen. Nachdem die erwarteten Nutzerzahlen (20.000 Abonnenten Ende 1998 ) nicht erreicht wurden, stellte Microsoft das Magazin wieder größtenteils kostenlos zur Verfügung und finanziert es wieder hauptsächlich über Werbeeinnahmen. Im ersten Monat nach der Änderung verzeichnete Slate einen Besucherzuwachs von 32 Prozent . Lediglich ein sogenannter Premium-Bereich bleibt mit 19,95 US-Dollar monatlich kostenpflichtig.

Die Online-Edition der New York Times war von 1996 bis Mitte 1998 für Nutzer außerhalb der USA kostenpflichtig, 35 US-Dollar pro Monat mußten Leser aus Übersee für den Zugang zur Online-Version der New York Times bezahlen. Im Juli 1998 verabschiedete sich die New York Times allerdings vom kostenpflichtigen Zugang und stellt ihr Angebot komplett kostenlos zur Verfügung .

Einzig die US-amerikanische Finanzzeitung Wall Street Journal schaffte es, für die Internet-Ausgabe der Zeitung eine größere Anzahl zahlender Abonnenten zu gewinnen . Laut Verlagsangaben zählt die Online-Edition des Wall Street Journals über 250.000 Abonnenten , die monatlich eine Gebühr von 59 US-Dollar bezahlen. Allerdings schreibt die kostenpflichtige Online-Ausgabe auch über 2 Jahre nach dem Start noch immer keine schwarzen Zahlen .

Abbildung 23: Die Online-Version des Wall Street Journal gehört zu den wenigen Anbietern kostenpflichtiger Online-Abonnements

Neben Online-Magazinen und -Zeitschriften, deren Abonnement-Modell im Internet häufig gescheitert ist, existiert im Internet allerdings eine Branche, die sehr erfolgreich das Geschäftsmodell des kostenpflichtigen Abonnements realisiert hat: Die Sex- und Erotik-Anbieter. Die Sex-Branche hat es erfolgreich geschafft, exklusive Inhalte in Form kostenpflichtige Abonnements zu vermarkten. Die amerikanischen Internet-Erotik-Anbieter konnten 1998 mit einem Umsatz von einer Milliarde US-Dollar knapp 10 Prozent des gesamten E-Commerce-Marktes abdecken .

Die Gründe für den Erfolg des Abonnement-Modells bei Sex-Anbietern sind vielschichtig. Folgende Merkmale und Eigenschaften der Anbieter kennzeichnen die Erfolgsfaktoren der Erotik-Branche im Internet:

• Anonymität: Im Vergleich zum Erwerb von Print- oder Videoprodukten bleiben Erotik-Kunden im Internet weitestgehend anonym.

• Aggressives Marketing: Sex-Anbieter setzen oft aggressive Marketing-Methoden ein, beispielsweise das sogenannte Spamming, das Versenden von unaufgeforderten elektronischen Werbesendungen. Spezielle Sofware-Tools filtern aus Newsgroups E-Mail-Adressen heraus, gleichen sie auf Duplikate ab und stellen Verteilerlisten für Werbung zusammen.

• Werbung auf Portalseiten: Da Begriffe rund um das Thema Sex zu den häufigsten Suchbegriffen bei Suchmaschinen gehören, belegen Sex-Anbieter zielgruppenorientierte Werbebanner mit hohen Click-Raten. Die Suchmaschine Altavista verzeichnet beispielsweise pro Jahr ca. 3,3 Millionen Suchanfragen nach Bay-Watch-Schauspielerin Pamela Lee Anderson.

• Kostenlose Bereiche: In der „Kostenlos-Tradition“ des Internet locken Sex-Anbieter ihre Kunden mit freien Gratis-Bereichen auf das Angebot. Durch die Appetitanreger werden potentielle Kunden anschließend in kostenpflichtige Bereiche geführt, zumeist gekoppelt mit kostenlosen Abonnement-Mitgliedschaften in den ersten Monaten.

• Horizontale Diversifikation: Einige Betreiber bieten ihre Inhalte auf mehreren Internet-Seiten mit unterschiedlichen Domain-Namen an, wobei der gleiche Inhalt in unterschiedlicher Form aufbereitet wird. Hierdurch werden zum einen mehrere Zielgruppen gleichzeitig angesprochen, zum anderen läßt sich durch die Verteilung auf mehrere Internet-Domains bei Suchmaschinen eine höhere Trefferquote erzielen.

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