Geschichte der Webbrowser: Die vierte Browser-Generation

Vielleicht werden sich die Marktanteile in den nächsten Monaten verschieben. Denn die vierte Generation der World-Wide-Web-Browser steht in den Startlöchern bzw. hat den Startblock bereits verlassen. Im Juni 1997 präsentierte Netscape den Netscape Communicator 4.0, ein Software-Paket, das unter anderem den Netscape Navigator 4.0 mit an Bord hat. Der Startschuß für das Konkurrenzprodukt, den Internet Explorer 4.0 von Microsoft, fällt voraussichtlich im Herbst diesen Jahres.

Mit der vierten Generationen stehen der Web-Gemeinde wieder einmal nahezu revolutionierende Neuerungen ins Haus, die den Umgang mit dem Medium World Wide Web entscheidend verändern werden. Leider gehen beide Kontrahenten wieder einmal eigene Wege, so daß die Kluft zwischen den beiden Browsern eher größer als kleiner wird. Die World-Wide-Web-Gemeinde wird sich in drei Gruppen aufteilen: In Web-Seiten, die nur mit dem Netscape Navigator einsehbar sind, Web-Seiten ausschließlich für den Internet Explorer und Web-Angebote für jeden Browser.

Wie in den vorangegangenen Versionen, verfolgen Microsoft und Netscape bei den Versionen 4.0 ähnliche Ziele, schlagen jedoch unterschiedliche Wege ein. Die neuen Versionen zeichnen sich vor allem durch das neue Schlagwort Push-Technologie aus. Dahinter verbirgt sich nichts anderes als die Möglichkeit, über das Internet Daten ohne Aufforderung zu erhalten, Sie wählen einfach das Themengebiet aus, über das Sie informiert werden möchten, und der Browser „pusht“ (drückt) die Daten im wahrsten Sinne des Wortes auf den Rechner; ob Sie möchten oder nicht. So erhalten Sie beispielsweise ohne explizite Aufforderung aktuelle Börsen-, Sport- oder Weltnachrichten „ins Haus geschickt“. Zumindest, so lange eine Verbindung in das Internet besteht. Sie ahnen es sicher bereits: Die Kanäle, die Sie im Netscape Navigator auswählen können, sind im Internet Explorer tabu. Im Gegenzug treffen die Kanäle des Internet Explorers im Konkurrenzprodukt von Netscape auf taube Ohren.

Microsoft geht mit der Version 4.0 des Internet Explorers sogar noch einen Schritt weiter. Der Web-Browser, bisher als eigenständiges Anwendungsprogramm wie eine Textverarbeitung oder Tabellenkalkulation gehandhabt, wird Teil des Betriebssystems Windows. Die Grenzen zwischen dem Web-Browser und dem Betriebssystem verschwinden.

Das macht sich vor allem in der Bedienung des Betriebssystems bemerkbar. Um im Internet zu surfen, braucht es nicht unbedingt den Internet Explorer; im Prinzip ist das Surfen von jedem Ordner des Betriebssystems aus möglich. Ist beispielsweise gerade das Fenster des Arbeitsplatzes oder eine lokalen Laufwerks geöffnet, genügt es, die Internet-Adresse einer Web-Seite einzugeben, um im gleichen Fenster die entsprechende World-Wide-Web-Seite anzuzeigen. Das World Wide Web wird somit Bestandteil von Windows, es hat den gleichen Stellenwert wie lokale Festplatten oder Dateien auf einer Diskette.

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