Persönliche Daten überall: Warum Datensammler Daten sammeln

Es ist schon erstaunlich, wo überall persönliche Daten gespeichert werden. Ob beim Surfen im Web, beim Onlineshopping, beim Tanken, beim Einkaufen im Supermarkt und selbst beim Telefonieren mit dem Handy werden jede Menge Daten übermittelt. Da wird munter gespeichert, was wann wo gekauft, wie lange eine Webseite besucht oder mit wem telefoniert wurde. Dieses Kapitel zeigt, in welchen Lebensbereichen persönliche Daten gesammelt, wo sie gespeichert werden und was mit den gesammelten Daten passiert.

Daten sammeln – wozu eigentlich?

Völlig anonym durch den Alltag zu kommen, ist eigentlich unmöglich. In allen Lebensbereichen werden persönliche Daten gesammelt – teils offensichtlich, oft aber auch geheim und unbewusst. Da stellt sich die berechtigte Frage, warum überhaupt so viele Daten gespeichert werden und was eigentlich damit passiert.

Gezielte Werbung

Besonders interessant sind persönliche Daten für die Werbewirtschaft. Denn damit können Werbetreibende gezielt potenzielle Kunden ansprechen. Werbung muss nicht mehr nach dem Gießkannenprinzip flächendeckend verteilt werden, sondern spricht gezielt bestimmte Zielgruppen an.

Ein Beispiel: Ein Sportartikelhersteller möchte Fußbälle und hochpreisige Trikots verkaufen. Um die Werbekosten möglichst gering zu halten, gleichzeitig aber viele mögliche Kunden anzusprechen, sollen nur fußballinteressierte Männer im Alter zwischen 18 und 29 Jahren und mit einem Einkommen über 2.000 Euro angesprochen werden. Die passenden Adressen zu finden, ist kein Problem. Bei sogenannten Adressbrokern (Adresshändlern) lässt sich die gesuchte Zielgruppe genau herauspicken.

Und die Suche lässt sich weiter verfeinern. Mehrere tausend Selektionskriterien sind bei Adressbrokern keine Seltenheit. Ob Bankdaten, Zahlungsmoral, Reisegewohnheiten, Krankheiten oder sexuelle Orientierung – aus mehreren Millionen Adressen können Werbetreibende nach dem Baukastenprinzip die gewünschten Daten herausfiltern und dann auf dem Postweg, per Telefon oder E-Mail Werbung zuschicken. Besonders interessant sind Informationen über Alter, Ausbildung und Beruf, Kaufkraft, Hobbys und Interessen.

Bei Adresshändlern können Werbetreibende aus mehreren Millionen Datensätzen gezielt Adressen mit bestimmten Merkmalen kaufen.

Dass persönliche Daten früher oder später bei Adresshändlern landen, lässt sich kaum vermeiden. Das fängt bereits bei Geburt an. Selbst die Geburtsanzeige im Stadtanzeiger können zum Beispiel Hersteller von Babynahrung, Windeln und Kinderwagen nutzen, um der Familie passende Werbung zu schicken. Die Quellen der Adresshändler sind vielfältig. Neben Teilnehmerlisten bei Kongressen und anderen Veranstaltungen sind besonders Preisausschreiben, Kundenbefragungen, Haushaltsbefragungen und ähnliche Aktionen beliebt, um wirtschaftlich relevante Daten der Teilnehmer zu gewinnen.

Das Erfolgsgeheimnis der Adresshändler ist die Verknüpfung der Daten. Dass Sie zum Beispiel im Kaufhaus einen Golfschläger kaufen ist alleine noch keine verwertbare Information. Wertvoll wird sie erst, wenn sie mit anderen Informationen verknüpft werden können, etwa mit Name, Wohnort oder Zahlungsart. Wurde der Golfschläger beispielsweise per Kreditkarte bezahlt und zusätzlich eine Kunden- oder Rabattkarte vorgelegt, lassen sich die Einzeldaten zu einem Gesamtbild verknüpfen: vermutlich sind Sie sportlich aktiv (Golfschläger), kaufen gerne nachmittags (Zeitpunkt des Einkaufs), wohnen in gehobener Wohnlage (Adresse auf der Rabattkarte), zahlen gerne bargeldlos (Kreditkarte) und essen gerne Süßigkeiten (gespeicherte Einkäufe auf der Rabattkarte).

Um bei Adresshändlern nicht zum gläsernen Kunden zu werden, gilt daher im Umgang mit persönlichen Daten die Devise: Weniger ist mehr. Geben Sie so wenig persönliche Daten preis wie möglich. Wer nicht zum gläsernen Kunden werden möchte, zahlt am besten nur in bar und verzichtet auf Rabatt- und Kundenkarten.

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