So funktioniert das World Wide Web: Das Prinzip Hypertext

Wer sich auf die Reise durch die bunte Welt des World Wide Web begibt, wird mit schillernd bunten Seiten konfrontiert, die oftmals mit multimedialen Effekten ausgestattet sind. Da huscht schon mal ein kleines Männchen über den Bildschirm, ein Lauftext informiert über aktuelle Neuigkeiten und ein Video zeigt Livebilder einer Kamera, die irgendwo auf der Welt (oder auf dem Mars) steht. Auf den ersten Blick scheint das World Wide Web also eine komplizierte Mischung aus unterschiedlichen technischen Möglichkeiten zu sein. Doch der Schein trügt. Wer einmal einen Blick hinter die Kulissen des Word Wide Web geworfen hat, erkennt schnell, daß das Grundprinzip des Web recht simpel ist, erstaunlich simpel.

Das Prinzip Hypertext

Das Zauberwort für die unzähligen Möglichkeiten und die Informationsdichte des World Wide Web heißt: HyperText. Hierunter versteht man nichts anderes als die dynamische Verknüpfung von Dokumenten.

Sogenannte Hypertext-Dokumente unterschieden sich in einigen wichtigen Punkten von „normalen“ Dokumenten. Beim Hypertext unterliegen die Dokumente nicht mehr einer linearen Struktur, sondern werden dynamisch miteinander verknüpft. Der Vorteil: Anders als zum Beispiel bei einem Buch, das Sie von vorne bis hinten durchlesen, können Sie innerhalb der miteinander verknüpften Hypertext-Dokumente beliebig hin und her springen. Die Hypertext-Dokumente sind nicht an eine starre Struktur gebunden, sondern locker miteinander „verwebt“. Im World Wide Web sind praktisch alle World Wide Web-Seiten miteinander verknüpft, und das millionenfach. Sie können an einer beliebigen Stelle in das Gewebe einsteigen und dank der Verknüpfungen von Dokument zu Dokument wandern – das vielzitierte „Surfen im Web“.

Die speziellen Sprungstellen, über die Sie zu einem anderen Dokument gelangen können, sind optisch hervorgehoben. Zumeist sind die entsprechenden Textpassagen unterstrichen oder mit einer anderen Farbe versehen. Doch nicht nur Texte dienen als Sprungbrett zu anderen Dokumenten, auch Grafiken bilden im World Wide Web oft das Tor zu einer anderen Seite im Web. Die Seite muß sich dabei nicht unbedingt auf dem gleichen Computer befinden, sondern kann mitunter auch von einem Computer am anderen Ende der Welt stammen.

Hypertext ist nicht neu

Wenn Sie bereits mit einem Windows PC gearbeitet haben, kennen Sie das Hypertext-Prinzip vielleicht schon. Denn das Hilfeprogramm von Windows arbeitet ebenfalls mit dynamisch verknüpften Seiten. Dort können Sie sich beispielsweise eine Hilfeseite zum Thema „Drucken“ anzeigen, von dort zu einer Seite über das „Drucken im Netzwerk“ gelangen und von dort weiter zur „Installation von Netzwerkkarten“ springen. Ein einziger Klick mit der Maus genügt, um die gewünschten Dokumente aufzurufen. Das gleiche Prinzip wenden auch Lexika auf CD-ROM an. Mit Multimedia-Effekten ausgestattet werden Begriffe eindrucksvoll erklärt, mittels Hyperlinks wird eine Verknüpfung zu inhaltlich verwandten Themen vollzogen.

Was macht Hypertext eigentlich so interessant? Hypertext ist die Loslösung von linearen Strukturen. Durch Verknüpfungen und Verweise entsteht ein dynamisches Netz von Informationen. Die zentrale Idee von Hypertext ist, „Zusammenhänge zu erkennen“. Mit Hilfe von Zusammenhängen lassen sich Informationen meist besser und verständlicher darstellen, als wenn man sie als isolierte Objekte betrachtet.

Die Struktur der Informationen im Hypertext ähnelt dem netzwerkartigen Gebilde der assoziativen Denkweise unseres Gehirns. Im Alltag lernen und begreifen wir hauptsächlich über Assoziationen: Warum sollte diese Vorgehensweise nicht auch für computergestützte Informationsgewinnen Anwendung finden? Hypertext läßt den Leser selbständig entscheiden, welchen Weg er einschlägt. Er kann an Orten verweilen, die ihn interessieren und sich über Themen hinwegsetzen, die er schon kennt. Durch das sogenannten „Browsen“, das Herumstöbern im Netz, werden spielerisch Informationen und somit Wissen aufgenommen. Natürlich besteht auch die Gefahr, daß man vom Weg abkommt und plötzlich nicht mehr weiß, wonach man gesucht hat. Kritiker sprechen dann von „Get Lost in Hyperspace“ – Verloren im Hyperspace. Allerdings erhält man auf diese Weise ungewollt andere Informationen. Diese Art von zufälliger Wissensbereicherung nennt man Serendipity-Effekt, frei übersetzt: zufällig angenehme Entdeckungen machen.

Vergleichbar ist hier auch die Lektüre von Zeitschriften: Wenn Sie beispielsweise eine Computerzeitschrift studieren, werden Sie auch Artikel lesen, die Sie nicht explizit gesucht haben. Auf diese Weise reichern Sie Ihr Wissen ebenfalls an. Im World Wide Web ist das ähnlich, nur mit dem Unterschied, daß es weitaus mehr Möglichkeiten gibt, vom Weg abzukommen. Um ehrlich zu sein: Sie kommen fast immer vom geplante Weg ab. Um eine konsequente Suche nach bestimmten Informationen im WWW durchzuführen, bedarf es schon einer gewissen Selbstdisziplin.

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