VoIP: Die Nachteile und Probleme der Internettelefonie

Macht die Internet-Telefonie den klassischen Telefonanschluss überflüssig? Nein! Mit VoIP ist das Telefonieren zwar viel billiger oder oft sogar kostenlos; zudem bietet VoIP viele tolle Zusatzfunktionen. Ganz ersetzen kann es den klassischen Telefonanschluss allerdings nicht. Oder besser gesagt: Noch nicht.

Denn VoIP ist in vielen Bereichen bereits so ausgereift, dass ein alternativer Telefonanschluss eigentlich überflüssig ist. Es gibt aber noch einige kleine Kinderkrankheiten, die eventuell noch einen zusätzlichen klassischen Telefonanschluss notwendig machen. Und sei es nur als „Notfall“-Leitung; als Rettungsanker, falls der Internetzugang mal ausfällt.

Zuverlässigkeit

Telefonieren im Internet ist eine junge Technik. Im Vergleich zur klassischen Telefonie, die bereits auf über 100 Jahre Erfahrung zurückblicken kann, sogar blutjung. Die Erfahrung zeigt, dass die Internet-Telefonie in Sachen Zuverlässigkeit insgesamt noch nicht auf dem Niveau der klassischen Telefonie ist.

Viele Anbieter probieren neue Funktionen noch aus, beispielsweise die Weiterleitung von Faxen zum E-Mail-Postfach. Die brandneuen Funktionalitäten sind oftmals noch in der Test- und Erprobungsphase. Aber gerade das macht oftmals gerade den Reiz der Internet-Telefonie aus.

Mit Einschränkungen müssen Sie mitunter bei Telefonaten zu exotischen Zielen rechnen. Auch wenn in der Preisliste Ihres VoIP-Anbieters zum Beispiel das mexikanische Mobilfunknetz aufgeführt ist, kann es passieren, dass die Verbindung via VoIP dorthin doch nicht zustande kommt. Das kommt allerdings nur bei exotischen Zielen vor – bei „klassischen“ Zielen wie Deutschland, das europäische Ausland oder die USA sind mit VoIP keine Probleme zu erwarten.

Ausfallsicherheit

Wenn Sie via Internet telefonieren ist eines klar: Fällt der Internet-Anschluss aus, ist auch das Telefonieren nicht mehr möglich.

Und Gründe für den Ausfall des Internet-Zugangs gibt es viele. Vielleicht haben Sie in der Vergangenheit schon selbst Ausfälle erlebt. Das kann am Internet-Provider liegen oder aber an der heimischen Hardware. Zum Beispiel durch den Ausfall des DSL-Modems aber auch durch Virenbefall oder eine falsche Konfiguration des Routers. Wie auch immer: Ohne Internet bleibt auch die VoIP-Leitung tot. Fazit: Ein stabiler Internet-Zugang ist für die Internet-Telefonie unumgänglich.

Übrigens: Auch bei einem Stromausfall bleiben Sie bei VoIP von der Außenwelt abgeschnitten. Während klassische Telefone nach einem Stromausfall noch funktionieren – z.B. analoge Telefone oder einfache ISDN-Telefone ohne Netzteil -, geht bei VoIP ohne Strom nichts mehr.

Sonderrufnummern nicht erreichbar?

Mitunter sind Sonderrufnummern mit Sondervorwahlen wie 01805 oder 01803 via VoIP nicht erreichbar. Einige VoIP-Anbieter erlauben nur das Telefonieren zu „normalen“ Rufnummern, nicht aber zu Sonderrufnummern. Die gängigen Sonderrufnummern wie 01801, 01803, 01805, 01888, 0700 oder 0800 sind bei den meisten VoIP-Anbietern problemlos erreichbar.

Kritisch wird es lediglich bei den teuren Varianten 0137, 0180, 01802, 01804, 0185, 0190 oder 0900. Diese Sonderrufnummern sind bei den meisten VoIP-Anbietern gesperrt und lassen sich mit dem Internet-Telefon nicht anrufen.

Sparen können Sie bei Sonderrufnummern sowieso nicht. Bei fast allen Sondervorwahlen sind die Gesprächgebühren festgelegt, z.B. 12 Cent pro Minute bei 01805 – egal, ob Sie die Nummer via VoIP oder mit dem klassischen Telefon anrufen.

Notrufnummern 110 und 112

Achtung: Im Notfall kann das Internet-Telefon zur Falle werden. Bei den meisten VoIP-Anbietern ist es nicht möglich, den Notruf 110 oder 112 zu wählen. Das hat einen ganz einfachen technischen Grund: Im klassischen Telefonnetz wird ein 110- oder 112-Notruf automatisch zur geographisch nächsten Notrufzentrale weitergeleitet. Das ist bei klassischen Telefonanschlüssen auch kein Problem, da die Telefongesellschaft genau weiß, in welcher Stadt, welcher Straße und in welchem Haus der Anschluss liegt.

Aber genau das ist bei VoIP-Anschlüssen nicht mehr möglich. Ein Internet-Telefon kann sich überall auf der Welt befinden; überall dort, wo ein Internet-Anschluss ist. Wenn Sie mit einem VoIP-Telefon eine Notrufnummer wählen, kann der Anruf nicht mehr automatisch zur geographisch nächsten Notrufzentrale weitergeleitet werden – schließlich kann sich Ihr VoIP-Telefon bei Ihnen zu Hause, in Frankreich oder den USA befinden.

Einige VoIP-Anbieter wie sipgate (www.sipgate.de) umgehen das Problem, indem sie die in der Firmendatenbank hinterlegten Adressdaten für eine Lokalisierung heranziehen. Der VoIP-Anbieter übermittelt dann die Kontaktdaten, um zumindest annähernd eine Lokalisierung zu erreichen.

Daher unser Tipp: Verwenden Sie für Notrufe besser das Handy oder – falls noch vorhanden – den klassischen Telefonanschluss. Im Falle eines Falles landen Sie dann reibungslos bei der nächsten Rettungsleitstelle.

Faxe verschicken und empfangen

Wenn das Telefonieren via Internet problemlos funktioniert, wieso sollte dann das Faxen nicht auch reibungslos funktionieren? Auf den ersten Blick sollte es keinen Unterschied machen, ob nun Sprache oder Faxdaten über die VoIP-Leitung gehen.

Die Praxis sieht allerdings anders aus: Beim Thema Faxen via VoIP – auch FoIP genannt – müssen Sie einigen technische Hürden überwinden, damit es klappt. Ganz wichtig ist beispielsweise die Auswahl des richtigen Codecs: Nur Codecs ohne Komprimierung – hierzu gehört G.711 – eigenen sich für den Faxversand und -empfang.

Spit – Spam am Telefon

Spam- und Werbebotschaften via E-Mail kennen Sie sicherlich zu Genüge – sie landen praktisch täglich im Posteingang. Mit VoIP geht es noch einen Schritt weiter: Die Spam-Problematik wird sich in den nächsten Jahren auch im Bereich der Internet-Telefonie breit machen. Im Fachhargon gibt es dafür auch schon einen neuen Begriff: Spit – Spam over Internet Telephony.

Spam via Telefon kann folgendermaßen aussehen: Sie erhalten einen Anruf auf Ihr VoIP-Telefon und eine mehr oder weniger freundliche Stimme vom Band preist diesen oder jenen tollen Dienst an. Oder fordert Sie auf diese oder jene Sonderrufnummer zu wählen, um den ersten Preis in einem Gewinnspiel zu sichern. Der Phantasie sind in Sachen Spamming sind keine Grenzen gesetzt.

Noch ist es erfreulich ruhig: Spam-Anrufe sind zurzeit noch selten; sie werden in Zukunft aber voraussichtlich vermehrt auftreten. Technisch ist es für Spammer auch kein Problem, Werbung via Telefon massenhaft zur verteilen: Sie installieren einfach weltweit einen oder mehrere Server, die automatisiert tausende von Spam-Anrufen gleichzeitig abschicken – und das dank Internet-Telefonie sogar ohne Telefonkosten. Auch wenn in Deutschland Werbung per Telefon ohne Einwilligung nicht erlaubt ist, wird das die weltweit tätigen Spam-Versender nicht am Telefon-Spamming – auch in Deutschland – hindern.

Das große Problem beim Spamming via Telefon: Werbung via Telefon ist wesentlich nerven- und zeitraubender als E-Mail-Werbung. Eine E-Mail ist schnell weggeklickt – ein Anruf bindet Zeit und stört den Arbeitsablauf erheblich.

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