VoIP-Internettelefonie: Kostenlose Gespräche

Das Schönste an VoIP: Viele Gespräche sind komplett kostenlos. Sie kosten keinen Cent – egal, wie lange und wie oft Sie telefonieren. Doch Vorsicht: Viele Anbieter werben mit kostenlosen Gesprächen, ohne genau zu erläutern, wann genau die Gespräche nichts kosten und wann doch Kosten anfallen.

Generell sind kostenlose Gespräche nur unter drei Bedingungen wirklich kostenlos:

Kostenlose Gespräche im gleichen Netz

Bei Gesprächen zwischen zwei VoIP-Nutzern im gleichen VoIP-Netz fallen keine Gebühren an. Im gleichen Netz bedeutet dabei: Beide Gesprächspartner müssen Ihren VoIP-Anschluss beim selben Anbieter haben.

Wenn Sie beispielsweise Ihren VoIP-Anschluss bei sipgate (www.sipgate.de) haben und einen anderen sipgate-Nutzer anrufen, ist dieses Gespräch komplett kostenlos. Der Grund: Obwohl Sie eine normale Telefonnummer gewählt haben, erkennt der sipgate-Server, dass es sich bei der Zielrufnummer ebenfalls um einen sipgate-VoIP-Kunden handelt und wickelt das Gespräch komplett über das Internet ab. Es findet kein Übergang zum klassischen Telefonnetz statt. Kosten: 0 Euro.

Kostenlose Gespräche zu Partnernetzen

Ebenfalls gratis sind Gespräche zu so genannten Partner-Netzwerken. Einige VoIP-Anbieter haben ihre Netze zusammengeschlossen. Sobald Sie eine Rufnummer aus dem Partnernetz anrufen, erkennt das ihr Anbieter und leitet das Gespräch automatisch via Internet zum Partnernetzwerk weiter. Da kein kostenträchtiger Übergang zum klassischen Telefonnetz stattfindet, fallen auch für diese Gespräche keine Kosten an.

Ein Beispiel: Die Anbieter sipgate und web.de sind in Sachen Internet-Telefonie bereits sehr lange Kooperationspartner. Wenn Sie mit Ihrem VoIP-Telefon von sipgate die Rufnummer eines web.de Freephone-Teilnehmers wählen, zahlen Sie für das Gespräch keinen Cent. Der sipgate-Server erkennt automatisch, dass die gewählte Nummer zu einem Partner-VoIP-Netzwerk gehört und leitet es gar nicht erst ins Festnetz, sondern direkt über das Internet zum Partnernetz. Auch hier gilt: Da das Telefongespräche nie das klassische Telefonnetz erreicht, sondern komplett im Internet abgewickelt wird, fallen keine Kosten an.

Kostenlose Gespräche per Direktwahl

Eine pfiffige Variante zum Gratis-Telefonieren via VoIP: Die Verwendung per VoIP-Kennung, im Fachjargon auch URI – Uniform Resource Identifier, zu deutsch: Eindeutige Kennung – oder einfach SIP-Adresse genannt.

Bei den meisten Anbietern erhalten Sie neben einer VoIP-Telefonnummer auch eine SIP-Adresse. Die sieht aus wie eine E-Mail-Adresse ist aber eigentlich eine Telefon-„Nummer“. Beim Anbieter sipgate setzt sich Ihre persönliche SIP-Adresse beispielsweise aus der Rufnummer oder der Kundennummer gefolgt von der Zeichenfolge @sipgate.de zusammen. Sie lautet dann komplett zum Beispiel

8704720@sipgate.de

Beim Anbieter Sipsnip (www.sipsnip.com) hat die SIP-Adresse beispielsweise die Form

Benutzername@sipsnip.com

Die SIP-Adresse sieht zwar aus wie eine E-Mail-Adresse, ist aber keine. Es ist Ihre weltweit erreichbare Internet-Telefonnummer – eben nur in anderer Form.

Der Vorteil der SIP-Adresse: Auch hiermit können Sie bequem kostenlose Telefongespräche führen. Und zwar unabhängig davon, ob Ihr VoIP-Anbieter und der VoIP-Anbieter Ihres Gesprächspartners kooperieren oder nicht. Im Grunde unterhalten Sie sich damit an Ihrem VoIP-Provider vorbei direkt mit dem Ziel-Gesprächspartner. Und das geht folgendermaßen:

1. Bei den meisten VoIP-Telefonen können Sie nicht nur eine Telefonnummer, sondern auch eine SIP-Adresse als „Zielrufnummer“ eingeben. Geben Sie einfach die gewünschte SIP-Adresse Ihres Gesprächspartners ein, – z.B. Benutzername@sipsnip.com – und starten Sie den Wählvorgang.

2. Ihr Telefon wählt daraufhin direkt und ohne Umwege das Telefon Ihres Gesprächspartners an. Der Anruf geht an Ihrem eigenen VoIP-Provider vorbei – sie brauchen ihn auch nicht, denn Ihr Telefon kann dank der SIP-Adresse praktisch selbst den Gesprächspartner finden.

Anhand der Kennung hinter dem @-Zeichen – hier: @sipsnip.com – weiß Ihr Telefon selbständig, dass der Gesprächspartner über den Server sipsnip.com erreichbar ist. Es wählt direkt den sipsnip.com-Server an und sagt ihm gewissermaßen: Bitte stelle mir eine Verbindung zum Benutzer Benutzername her.

3. Das Gespräch kann beginnen. Es bleibt kostenlos, da es komplett im Internet abgewickelt wird und kein Übergang zum klassischen Telefonnetz stattfindet.

Leider gibt es bei dieser Variante der kostenlosen Gespräche einen Haken: Einige VoIP-Anbieter schotten ihre Netze gegen die Direktanwahl von SIP-Adressen ab. So ist beispielsweise die SIP-Adresse von Nikotel (etwa meinname@calamar0.nikotel.com) per Direktwahl nicht von außen erreichbar. Auch bei den großen VoIP-Anbietern wie 1&1, AOL, Freenet, GMX, Tiscali, web.de und T-Online ist die direkte Anwahl der SIP-Adressen nicht möglich. Das ist sehr schade und eigentlich unnötig.

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