GMail: Google scannt alle Mails

Jetzt ist es offiziell: In den neuen GMail-Nutzungsbedingungen bestätigt Google erstmals, dass alle ein- und ausgehenden Mails gelesen und durchforstet werden. Bislang wurde das Scannen von E-Mails nur vermutet. Jetzt steht es offiziell in den Nutzungsbedingungen.

Scannen für Werbung und gegen Spam

In den seit dem 14. April geltenden Nutzungsbedingungen bestätigt Google das Scannen von E-Mails. Dort heißt es:

Our automated systems analyze your content (including emails) to provide you personally relevant product features, such as customized search results, tailored advertising, and spam and malware detection. This analysis occurs as the content is sent, received, and when it is stored.

E-Mails werden demnach durchforstet, um thematisch passende Werbung auszuliefern, die Suche zu optimieren und vor Spam und Malware zu schützen. In den deutschen Nutzungsbedingungen ist der Passus noch nicht enthalten, dürfte demnächst aber folgen.


Dass Mail-Anbieter wie Google alle E-Mails scannen und durchforsten ist nicht ungewöhnlich. Bislang stand die Tatsache allerdings nicht in den Nutzungsbedingungen. Google zeigt Transparenz und geht offener mit dem Thema um; vermutlich um den Anti-Google-Kamagnen wie Scroogled den Wind aus den Segeln zu nehmen.

Und? Ist das ein Skandal? Eher nicht. Als Nutzer eines E-Mail-Anbieter sollte man wissen, dass generell auch andere Anbieter wie Web.de, 1&1 oder GMX E-Mails maschinell durchsuchen. Wie sonst sollte zum Beispiel auch Spamfilter funktionieren? Spams lassen sich halt nur herausfischen, wenn man den Inhalt jeder Mail liest. Passend dazu: In unserem Tipp Gläserne Postfächer erklären wir, warum E-Mails generell unsicher sind und nichts mehr als digitale Postkarten sind.

E-Mails selbst verschlüsseln

Kann man sich gegen das Scannen schützen? Ja, indem man E-Mails verschlüsselt. Einige deutsche E-Mail-Provider wie T-Online, Web.de, Freenet oder GMX versprechen zwar mit ihrer Initiative E-Mail Made in Germany eine SSL-Verschlüsselung. Die betrifft aber nur den Transportweg zwischen den Mail-Servern. Auf den Mail-Servern selbst liegen die E-Mails weiterhin in unverschlüsselter und lesbarer Form vor. Die Mail-Provider können die E-Mails also weiterhin scannen. Wer auch das unterbinden möchte, muss seine E-Mails bereits vor dem Verschicken verschlüsseln. Wie das funktioniert, steht in unserem Workshop E-Mails sicher verschlüsseln mit PGP für GMail, Yahoo, GMX und Outlook.com.


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Kommentare

3 Antworten zu „GMail: Google scannt alle Mails“

  1. Lutz

    Was ich per email schreibe, das kann ich auch laut sagen, bloss interessiert es sowieso niemanden.

  2. thorsten

    @Teppiche: Mit Mozilla Thunderbird und Erstellung persönlicher Zertifikate sollte dies kein Problem sein. Der passende Artikel folgt in den nächsten Tagen. Bis dahin könnten Sie den verschlüsselten Chat von PhoneCrypt verwenden. Oder Sie sichern sensible Dokumente mit einer 256-Bit-AES-Verschlüsselung und versenden diese Dokumente als E-Mail-Anhang.

  3. Willkommen im 21 Jahrhundert! Gibt es denn kein Programm das ausgehende Emails egal welchen Anbieters verschlüsselt? Danke

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